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Endlich. Heute war endlich der Tag seines ersten richtigen Dates.

Gut, eigentlich war es recht peinlich, dass er erst mit 16 sein erstes Date hatte, aber die anderen Mädchen hatten einfach nicht zu ihm gepasst. Sie waren allesamt unter seinem Niveau gewesen.

So stand Jason vor seinem Spiegel und kontrollierte ob auch wirklich jedes Haar dort saß, wo es hingehörte. Nicht, dass er nervös gewesen wäre, aber irgendwie passte dieses Outfit nicht richtig zu ihm. Und er hatte nur noch eine und eine halbe Stunde Zeit bis er los musste.

Als er sein Outfit noch einige Male geändert hatte, klingelte der Wecker seines Handys, den er gestellt hatte um nicht zu spät zu kommen.

Sein Outfit war zwar immer noch nicht perfekt, aber sich zu verspäten war absolut uncool und unmännlich.

Ein letzter Spritzer After-Shave und Sekunden später saß er in der S-Bahn. 

Wie erwartet kam sein Date zu spät. Melissa. Aber Jason hatte gelesen, dass das für Frauen normal war, also machte er sich nicht viel daraus. 


Melissa war ein hübsches Mädchen und das fanden auch alle anderen. Sie hatte langes braunes Haar, das sie zu einem kecken Pferdeschwanz zurückgebunden trug. Außerdem spielte sie Fußball.

Lächelnd kam sie auf ihn zu und setzte zu einer Umarmung an.

"Hey", sagte er in charmantem Ton und küsste sie auf die Wange, als sie ihn umarmte. Nebenbei ließ er wie beiläufig die Hände an ihrer Taille hinabgleiten. 

Dumpfe Motorengeräusche dröhnten in seinen Ohren, während vor seinen Augen alles in Düsternis versank.
Diese schwand nur sehr langsam und je mehr sich sein Blick aufklärte, desto deutlicher erkannte er auch, was um ihn herum war. Er fand sich in einem großen Raum. Die Wände und auch der Boden waren aus Beton, die Fenster tellenweise zugenagelt, doch von vielen waren die Bretter schon wieder gelöst.
Die Fenster waren gelblich und verstaubt, sofern nicht eingeschlagen.

Wo war er denn hier gelandet, gerade eben hatte doch noch Melissa getroffen?

Verwirrt rappelte er sich auf. Da hatte er endlich mal ein Date und dann... ja was eigentlich? 

Grübelnd tappte er zum Fenster, an dem Spuren der Bretter und einige übrig gelassene Nägel zu sehen waren.


Von draußen kamen diese Geräusche, das sich inzwischen spezifiziert hatte:
Es war ein Motor und ein verdammt lauter noch dazu. Dazwischen vermeinte er Stimmen zu hören.

Ein Blick aus dem Fenster verschaffte zumindest über das Geschehen da draußen Aufschluss:

Dort, vor dem Gebäude, in dem er sich befand, einem alten Betonklotz, war ein großer Hof. Kisten stapelten sich dort und auf einigen von ihnen saßen einige Jugendliche. Sie klatschten und gröhlten einem jungen Mann zu, der auf einem - Oldtimer ? - saß.
Es war ein schönes Motorrad, blank poliert und altmodisch. Der darauf sitzende trug eine altmodische Fahrerbrille und eine schwarze Lederjacke. Genaueres konnte Jason nicht erkennen, nur, dass dieser Motorradfahrer erstaunliche Kunststücke auf improvisierten Rampen vollführte.

Der hatte bei Frauen sicher Chancen, fuhr ihm durch den Kopf. Mit eiligen Blicken sah er sich nach einem Ausgang um, fand allerdings keinen. Doch musste er zu den Jugendlichen gelangen, die wussten sicher, wo er war. Mit einem festen Tritt splitterte das Brett, das noch vor einem der Fenster festgenagelt war und zog die Blicke der Jugendlichen an. Schließlich war er nicht umsonst Fußballer, in den Beinen hatte er genug Kraft.

Mit einem unterdrückten Grinsen stieg er durch das Fenster - und mit einem lauten 'Ratsch' verabschiedete sich sein linkes Hosenbein.


Einige von den Jugendlichen kicherten, doch vorwiegend erntete er Skeptische Blicke und hochgezogene Augenbrauen. Das Motorrad jaulte auf und Jason fuhr zurück, als es mit quietschenden Reifen vor ihm hielt.
Der Junge, der herunterstieg, schob sich lässig die Brille in die Stirn.
Um seinen hals war ein rotes Tuch gebunden und seine Beine steckten in einer schwarzen Lederhose, die Füße wiederum in schweren Arbeiterstiefeln. Unter der Lederjacke fand sich ein einfaches weißes Hemd.
Jason fand sich von oben bis unten gemustert - besonders viel Aufmerksamkeit bekam dabei sein Bein und auf dem ein wenig barsch erscheinenden Gesicht machte sich ein beinahe schon hämisches Grinsen breit. Doch auch hier war merkliche Skepsis in einem braunen Augenpaar zu erkennen.
"Und du bist?", fragte der Fahrer dann mit einer Stimme, die den Stimmbruch längst hinter sich gelassen hatte. Sie klang verraucht - eben so rochen auch seine Kleider.

Der Sandblonde schluckte. Erstens, seine Markenjeans war hinüber, zweitens, er hatte sich entgegen aller Absicht lächerlich gemacht und drittens war der Typ vor ihm weitaus cooler als er selbst. Mehr Proleme konnte man nicht haben. 

Er räusperte sich, um eine trockene, gleichgültige Stimme an den Tag zu legen. "Kommt darauf an, wer du bist", zitierte er einen alten Westernfilm, den er vor Jahren einmal gesehen hatte und verschränkte die Arme von der Brust, während sein Blick den anderen abschätzig, von oben herab - zumindest symbolisch - musterte. 

Sein Gegenüber zog merklich eine Augenbraue hinauf. Er war einen guten Kopf größer als Jason und hatte noch dazu irgendetwas südländisches an sich. Seine Haut war zwar Hell, hatte aber einen anderen Ton als die eines normalen Weißen. Sein Haar war schwarz, schulterlang und im Nacken zu einem unordentlichen Zopf zusammengefasst.

Er verschränkte die Arme vor der Brust und das Leder knarzte unter der Bewegung. Die anderen Jugendlichen scharten sich um die beiden, während der Schwarzhaarige lässig eine Zigarettenpackung zutage förderte und die Lippen um eine davon schloss. Mit Streichhölzern entzündete er seine Zigarette. Geübt sprach er an dem Glimmstängel vorbei: "Wir wollen ja nicht gleich unhöflich sein. Ich bin Leon - und wer bist du?" Letzteres klang spöttelnd und kam mit einem Schwall Rauch, der Jason direkt ins Gesicht geblasen wurde.

Seine Augen brannten davon, doch zuckte er nur kaum merklich zusammen. Was bildete der sich ein? Bloß weil er ein paar coole Freunde hatte...

"Jason", sagte er mit fester Stimme und ebensolchem Blick.

Wusste der denn nicht, dass Rauchen bei Frauen - laut seriöser Zeitschrift - so überhaupt nicht ankam?


"Bist'n ganz cooler, hm?", schmunzelte Leon und hinter ihm wurde Gekicher laut. Einige Jungen in Latzhose lehnten sich aneinander und grinsten über das abgerissene Hosenbein von Jason.
"So ist der bestimmt auch gestorben!", lachte einer von ihnen und ein weiterer mit alter Bubenmütze antwortete grinsend: "Irgendwo herumgeklettert und auf's Maul gefallen."

'Gestorben?', durchzuckte es Jasons Kopf. Doch er beschloss, vorerst nicht darauf einzugehen, wahrscheinlich wollten sie ihn nur verarschen. Bloß weil sie vermutlich ein kleines bisschen älter waren, spielten sie sich so auf- unmöglich.

"Für gewöhnlich klettere ich nirgendwo sinnlos herum." 

Leon nahm einen genüsslichen Zug seiner Zigarette und grinste.
"Das sieht man - sonst hättest du es geschickter angestellt." Er nickte knapp auf das Hosenbein.
"Also - wie bist du nun verreckt, hm?"

"Wie 'verreckt'?", fragte Jason fassungslos, seine coole Fassade bröckelte - wenn sie denn überhaupt bestanden hatte. 

Natürlich lebte er noch, sonst wäre er ja wohl kaum hier. Aber... wo war 'hier' eigentlich? 

Seine Gedanken wurden abrupt unterbrochen, als Leon ihn am Kragen packte und gegen die Wand in seinem Rücken stieß. Dort hielt er ihn einige Zentimeter über dem Boden. Ein enormer Kraftaufwand, dessen er aber durchaus fähig war.
Er brachte sein Gesicht so dicht vor das von Jason, dass der einzelne Sommersprossen erkennen konnte. Sein Blick war zornig.
"Verarsch mich nicht.", knurrte Leon und spie ihm den Rauch ins Gesicht - dieses Mal unabsichtlich.

"Lass mich los!", fauchte Jason indes, seine Hände umklammerten Leons an seinem Kragen, vermochten allerdings nicht sie zu lösen. Er würde ihm noch das teure Hemd zerreißen und das würde er büßen. Aber bitte, das schwor Jason.

"Ihr seid doch diejenigen die mich verarschen! Was laberst du da einen Scheiß von sterben? Ich bin nicht tot!"

Doch Leon ließ nicht los, sondern ruckte noch einmal die Hand und damit Jason gegen die Wand.
"Was hast du gemacht, bevor du herkamst, hä?"

"Was geht dich das an?", bluffte Jason, doch als Leon ihn erneut fest gegen die Wand stieß begriff er schnell, dass es ihn doch etwas anging. 

"Ein Mädchen umarmt", zischte er widerwillig. "Und jetzt lass mich los, verdammt."

Er wurde so abrupt losgelassen, dass er gerade noch einmal gegen die Wand rumste. Leon war einen Schritt zurückgetreten und betrachtete ihn skeptisch.
"Umarmt.", wiederholte er ungläubig und warf einen kurzen Blick auf diejenigen, die hinter ihm standen. Doch auch die konnten nur die Schultern zucken.
"Kein Unfall? Irgendwelche Kopfschmerzen bei der Umarmung?"
Er schüttelte den Kopf und beantwortete sich die Frage damit selber.

Verwirrtes Gemurmel wurde laut und Jason misstrauisch angestarrt.

"Was soll der ganze Scheiß überhaupt?", fauchte der Braunhaarige Leon an, während er sein Nike-Hemd gerade zog und über den Kragen wischte, als wolle er Leons Spuren davon entfernen. 

Er funkelte ihn aus grünbraunen Augen zornig an, zog dabei seine hohe Stirn in Falten. "Habt ihr keinen anderen, den ihr verarschen könnt? Wenn ihr mir sagt, wo ich bin, hau ich auch gleich wieder ab, keine Sorge."

Mit noch immer hochgezogener Augenbraue und nun auch noch merklich verwirrt, deutete Leon mit dem Daumen hinter sich.
"Immer dem Wald entlang, aber ich fürchte, du wirst keinen großen Erfolg haben.", meinte er.
Hinter ihm erhob ein junges Mädchen die Stimme: "Du wirst immer wieder hier landen."

"Erzähl keinen Scheiß!" Für gewöhnlich war er ja nett zu Frauen, aber für heute reichte es ihm eindeutig, da konnte selbst Angelina Jolie vor ihm stehen.

Mit schnellen Schritten stapfte er durch den Wald. Seine Wut klang ur langsam ab, ebenso wie sein beschleunigter Puls.

Dazu kam, dass dieser verdammte Wald wohl niemals aufhörte. Eine Spottdrossel hinter ihm, krächzte ihr höhnisches Lachen, während Jason immer weiter gerade aus lief. "Lach mich ruhig aus, blödes Viech."

Schon bald konnte er das Ende des Waldes erkennen, dahinter sogar ein weiteres graues Gebäude. Seine Miene hellte sich auf, als er hinaustrat. Ebenso schnell fiel sie wieder in sich zusammen.

Da ragte sie vor ihm auf: die große Fabrik aus Beton und davor all die gestapelten Kisten und die Rampe. Doch dieses Mal war die Stimmung nicht ausgelassen und auch der Motor von Leons Maschine schwieg still.

Stattdessen fand er zwei Gruppen Jugendlicher die sich um zwei junge Männer versammelt hatten.
Einer von ihnen war Leon, der gerade mit geballter Faust ausholte, um sie seinem Gegenüber ins Gesicht zu schleudern. Er selbst blutete bereits aus der Nase, doch das schien ihn nicht weiter zu stören.

Der andere war ein großer, schlaksiger Junge, der selbst Leon um einige Zentimeter überragte. Was ihm allerdings recht wenig nützte, da Leons Faust mit voller Wucht auf seinen Kiefer schlug und er einige Schritte zurücktaumelte. 

Das Gesicht Gesicht wies bereits mehrere Schrammen auf, und nun tropfte etwas Blut von seiner Lippe auf seine zerissene Röhrenjeans und die Jeansjacke, die er trug.

 Sein rotblondes Haar war auf den Seiten bis auf Zentimeter kurz geschnitten, nur in der Mitte war Haar, das ungestylt hinunterhing.

Trotz der Wut, die in seinen blauen Augen funkelte, grinste er. "Guter Schlag." Seine Stimme war tief und voller Spott dem anderen gegenüber.


Leon erwiderte ein Grinsen und wischte mit dem Handrücken das Blut aus seinem Gesicht. "Besser als deine allemal.", erwiderte er schlicht spöttelnd und ließ seinen Gegenüber dabei nicht aus den Augen. Sein Brustkorb hob und senkte sich in rascher Abfolge, doch war das wohl mehr seiner Wut zuzuschreiben als tatsächlicher Erschöpfung.


"Da erinnere ich mich aber an ganz anderes", der Rotblonde setzte zu einem Tritt an - dank seiner langen Beine ein Vorteil.

Jason stand wie angewurzelt dabei und beobachtete das Schauspiel. Niemand schien ihn zu beachten, alle starrten ebenso gebannt wie er, aber weniger fassungslos, auf die beiden Raufbolde.

Einige johlten, als der Tritt Leon von den Füßen Riss und der zu Boden ging. Für einen Moment konnte Jason sein Gesicht genau erkennen und einen unbändigen Zorn darin aufflackern sehen, der sein komplettes Gesicht verzerrte.
Dann fuhr er noch im Liegen herum und langte nach dem Bein des Rothaarigen um den mit einem Ruck ebenfalls zu Boden zu zerren.

Mit einem harten Aufprall landete dieser auch auf dem harten Betonboden, keuchte vor Überraschung und Schmerz auf. Als sein Kopf ebenfalls auf den Stein aufpralle, durchzuckte Jason ein Schauer. Der hatte jetzt sicher eine heftige Platzwunde, oder schlimmeres.

Langsam löste sich Jasons Starre, sodass sich Panik in ihm breit machte. Er hastete zu den anderen hin. "Will keiner von euch diesen Mist stoppen?!", brüllte er die Jugendlichen wütend an. 

Doch diese zuckten entweder belustigt oder gelangweilt mit den Schultern. 

"Das geht schon länger so, als du überhaupt lebst - lehn dich zurück und schau zu.", erwiderte ein Junge auf einer der Kisten und klopfte neben sich.

Indes stürzte sich Leon bereits wieder auf den Anderen, im Willen, sich auf ihm nieder zu lassen, damit er ja keine Chance bekam, sich wieder aufzurichten.

Doch dieser rollte sich gerade noch so unter ihm weg, stemmte sich auf seine Knie und holte zu einem erneuten Schlag auf Leon aus, der sich ebenfalls gerade aufgerichtet hatte. 

 Der Braunhaarige sah dem Spektakel weiterhin nur zu. Es war unglaublich, da waren gerade zwei Typen dabei das letzte bisschen Leben auseinander herauszuprügeln und keiner unternahm etwas dagegen. 

Fassungslos, ohne den Blick von der Prügelei zu wenden, ließ er sich neben den Jungen auf die Kiste sinken.

Der schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. "Du gewöhnst dich schon noch dran."

Leon neigte sich zur Seite, strauchelte dadurch jedoch und krallte sich an dem Kragen des anderen fest, was sie beide ein weiteres Mal zu Boden riss.

Doch da der Größere durch physikale Umstände auf Leon landete ergriff er seine Chance und schwang sein Bein, in der Hoffnung, den anderen unter sich fesnageln zu können.

Es gelang und da er nun am Boden lag, fand sich Leon nicht mehr in der Lage, sich allzu groß zu wehren. Dennoch versuchte er, die Hand loszureißen, um dem anderen einen weiteren Schlag zu verpassen.
Immerhin konnte der auch nicht zuschlagen, solange er ihn festhielt.

 Doch dessen Griff war eisern, drückte ihn weiter fest zu Boden, die Knie nun auf dem linken Unterarm Leons plaziert.

Im nächsten Augenblick zog er den Schwarzhaarigen an den Schultern hoch und versuchte seinen Kopf zurück auf die Steine zu dreschen.

Neben Jason wurden die ersten Buhrufe laut, während die andere Truppe triumphierend aufgröhlte.
Leons Kopf kam auf dem Boden auf und für einen kurzen Augenblick regte er sich nicht mehr. Das Gröhlen hörte selbst jetzt nicht auf, sondern hielt an, bis der Schwarzhaarige sich wieder regte und mit einem harten Ruck zur Seite versuchte, den anderen abzuschütteln.

Unter seinem Kopf bildete sich langsam eine dunkle Blutlache, die Jason dazu veranlasste nach Luft zu schnappen. Langsam reichte es doch!

Doch die Jungen rauften unbeirrt weiter. Irgendwann kam der Rothaarige ins Straucheln, sodass er sich reflexartig mit der Hand am Boden abstützte und somit Leons Schulter freilies.

Der nutzte die Gelegenheit sofort, um den Spieß umzudrehen und sich wiederum auf dem anderen zu positionieren. Er holte wieder aus, teilte deutlich wahlloser Schläge aus, als dass er nachdachte.

Einige davon trafen den Rothaarigen hart im Gesicht, sodass Blut von seiner Augenbraue auf den Boden rann. Sein Gesichtsausdruck war von Wut verzerrt, als er vom Boden aus versuchte, den anderen zurückzuschlagen, doch weitere von Leons Schlägen, trafen auf seine Schläfen. Die blauen Augen schlossen sich, unter Leons Körper wurde der Junge kraftlos und sank in sich zusammen.

Leon setzte noch einige Schläge nach, doch die wirkten unkontrolliert und kraftlos, dann verdrehte er plötzlich die Augen, wankte und fiel zur Seite. Er vermochte es noch, sich neben dem Rothaarigen auf die Seite zu rollen, wo er schließlich einfach liegen blieb, keuchend und blutend.
Es herrschte eine Totenstille, dann brach er mit einem Mal in schallendes Gelächter aus, wobei er sich zuerst an seinem Blut und schließlich an seinem eigenen stoßweise gehenden Atem verschluckte.

Als keiner der anderen etwas unternahm, sich um die beiden zu kümmern, stürmte Jason durch die Masse hindurch, schob Körper beiseite und handelte sich selbst einige Schläge ein. 

Zwischen den beiden Jungen fiel er auf die Knie und starrte ihn an. 

"Wollt ihr ihnen nicht helfen? Sie könnten sterben!", brüllte er die anderen Jugendlichen ungehalten an.

Neben ihm wurde ein Kichern laut. Eines der unangenehmen Sorte, von lauem Wahnsinn durchzogen.
Es stammte von Leon.
Die anderen stimmten lachend ein.
"Wir sind doch schon tot.", brachte Leon dann hervor und spuckte Blut aus.

Auch der Rothaarige richtete sich grummelnd auf. "Was labert der für einen Stuss? Hat er nicht mitbekommen, wie er verreckt ist, oder was?", grummelte er und hielt sich den Kopf, aus dem allerdings kein Blut mehr quoll.

Jason blickte perplex von einem zum andern.

Während sich also der Rotschopf aufrichtete, kam auch Leon wieder hoch, streckte die Beine aus, wobei er die Knie beugte und die Arme darüber legte, sodass er mit krummem Rücken da saß. Einige Strähnen, die sich aus seinem Zopf gelöst hatten, fielen ihm nun ins Gesicht, das er dem Rothaarigen zuwandte.
"Ach halt's Maul, Fred.", murrte er und spuckte einmal mehr aus. "Der hat 'nen Sprung in der Schüssel, ist beinahe so dämlich wie du."

Fred funkelte den Südlander aus seinen blauen Augen an, spuckte ihm dann Blut vor die Füße. "Du hast wohl noch nicht genug für heute, wie?", sagte er in einem sanften Ton, in dem allerdings eine gewisse Drohung mitschwang. Währenddessen strich er sich das Blut an seinen Lippen mit dem Ärmel seiner Lederjacke weg und stand langsam auf, Leon nicht aus den Augen lassend.

Leon erwiderte ein keckes Grinsen, erhob sich jedoch nicht. Lediglich seine Muskeln spannten sich an, wie man deutlich an seiner Haltung bemerken konnte. "Ich nicht." Sein Grinsen vergrößerte sich deutlich und er nickte in Richtung Jason. "Aber der da mit Sicherheit."

Der Blonde saß immer noch völlig verdattert zwischen den beiden Kontrahenten, von einem zum anderen hoch blicken. Gerade eben hatten sie noch fürchterlich geblutet und nun... scherzten sie beinahe miteinander, als sei nichts geschehen. Wenn man das Blut, dass auf dem Boden immer dunkler wurde einmal weg ließ. 

Dennoch versuchte er Haltung zu bewahren. Er war schon mehr ausgerastet als seiner Coolness gut tat und das würde er jetzt sicher nicht noch einmal tun. Die Mädchen hielten ihn ohnehin schon für einen Spinner, so wie sie ihn anblickten.

Er schluckte einmal hart, stand dann leicht schwankend wieder auf, während Fred abfällig schnaubte. "Der Kleine wird sich noch dran gewöhnen. Je schneller, desto besser, meinst du nicht auch?"

Ein Schulternzucken als Antwort, während Leon eine Augenbraue anhob und Jason sehr abschätzig musterte.
Schließlich wandte er sich wieder an Fred.
"Ich finde, dass der nicht aussieht, als könne er allzuviel ertragen. Oder siehst du das anders?"

 Überheblich ließ auch der andere den Blick an Jason auf und ab wandern. "Außnahmsweise muss ich dir zustimmen", sagte er dann ruhig und verlagerte das Gewicht von einem Bein auf das andere. "Der sieht eher aus wie ein Weichei. Versträgst wohl nichts, wie?"

"Ich vertrage eine Menge. Trotzdem bin ich es nicht gewohnt, dass zwei Menschen, die zumindest bewusstlos hätten sein müssen, wieder aufstehen, als sei nichts gewesen", fauchte Jason ihn von unten herauf an, die Fäuste bereits zu wütenden Fäusten geballt. "Was bitte ist das hier für ein beschissenes Spiel?"

Wieder hob sich Leons Augenbraue ein Stückweit an und auf seiner Stirn bildete sich eine steile, skeptische Falte. "Spiel?" Er warf Fred einen recht ratlosen Blick zu.

Dieser zuckte nur mit den Schultern.

"Natürlich. Ihr könnt mich doch nicht verarschen, keiner kann so eine Wunde überleben!" Mit dem Finger deutete er auf Leon, das Blut an seinem Hinterkopf schien beinahe schon getrocknet. "Was geht hier ab? Bin ich bei der 'Versteckten Kamera' oder was?! Ich finde diesen Scherz allmählich nicht mehr lustig."

Zuerst hatte Jason versucht ruhig, cool und beherrscht zu wirken. Doch mit jedem Wort schien die Wut in seinem Innern immer mehr aufzusteigen, sodass er zu Ende beinahe schrie.

"Versteckte Kamera?" Leons Hand fuhr an seinen Hinterkopf, dann ging ihm wortwörtlich ein Lichtlein auf. Man konnte beinahe sehen, wie ihm eine Idee kam.
Er senkte die Hand an den Gürtel und hatte plötzlich ein Klappmesser in der Hand.
"Gib mir mal deine Hand, Freddy.", meinte er nur und griff bereits nach der Hand des Rotschopfes.

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